Titel

Nach 7 Jahren im Traineramt hat es nun doch noch geklappt mit einem "großen Titel" für Sven Klärner und die Spielvereinigung aus Eltville. In einem Pokalfinale, das alles und noch viel mehr zu bieten hatte, konnten die Buben dem Eltviller Urgestein einen Ausstand nach Maß servieren und sich gleichzeitig direkt für den Hessenpokal qualifizieren.

Doch der Reihe nach. Bei winterlichen Temperaturen fanden an einem Mittwoch Abend vergleichsweise viele Eltviller Fans den Weg ins abgelegene Taunusdorf Beuerbach, wo auf neutralem Boden eine spielstarke Mannschaft aus Orlen die Rosenstädter herausforderte. Ein Ausflug, der sich für alle lohnen sollte, die es gut mit der Spielvereinigung halten.

Es war alles angerichtet für einen glorreichen Abend und ein Warm-Up für das was am Sonntag folgen wird. Die Mannschaft wirkte von der ersten Minute an motiviert und konzentriert und hatte in den ersten Minuten leichte Feldüberlegenheit. Doch nach 11 gespielten Minuten mussten die Buben bereits den ersten Schock verdauen. Burkhardt kam am Sechzehnereck frei zum Abschluss und feuerte den ersten Orlener Torschuss ab, der sich lediglich durch die Schusskraft von einer Flanke unterscheiden ließ. Illner konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen und lenkte das Spielgerät unglücklich am machtlosen Jung vorbei in die Maschen. 0-1 Mund abbutze – Weiter mache... Denkste. Denn nach wenigen Minuten folgte bereits der nächste Schrenkensmoment. Die ansonsten gut formierte Abwehr, um die Innenverteidiger Illner und Kirschner wurde durch einen schnell vorgetragenen Angriff der Orlener durcheinander gewirbelt, sodass wiederum Burkhardt kein Problem hatte die Anarchie im Eltviller Strafraum auszunutzen, nachdem die ersten Schussversuche noch von Jung pariert und Kirschner geblockt werden konnten. Ein Fehlstart nach Maß. Doch in dieser Phase zeigte sich der Charakter der Mannschaft. Während die Orlener nun mit ihrem Einsatz hier und da mal über die Grenze des Erlaubten schlugen, ließen sich die Buben nicht den Schneid abkaufen und erhöhten gezwungenermaßen das Risiko im Aufbauspiel. Insbesondere die Mittelfeldmotoren Bingel und Gerhard waren nun gefordert. Es folgte ein offener Schlagabtausch mit torgefährlichen Aktionen auf beiden Seiten. Der Schiedsrichter hatte in dieser Phase Mühe die Emotionen im Griff zu halten und verteilte einige gelbe Karten, insbesondere für die Orlener. In der 15.Minute sollte sich der Offensivakt mit den Protagonisten Horne, Zupke, Pnischeck und Lenker und Denker Reichtum auszahlen, als Pnischeck nach einem schönem Antritt im Sechzehner regelwidrig gebremst wurde. Ein Elfmeter der wohl in 9 von 10 Fällen gepfiffen wird. Bingel ließ sich nicht bitten und verwandelte sicher zum vielumjubelten Anschlusstreffer. In der Folge bekam die SG noch einmal Oberwasser und beschäftigte immer wieder die Eltviller Defensive, kam jedoch meist nur zu Abschlüssen aus der 2. Reihe. So ging man mit einem insgesamt leistungsgerechten 1-2 in die Kabine.

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Die zweite Halbzeit plätscherte zunächst weitesgehend dahin. Beide Mannschaften wollten nicht allzu offen agieren. Die wenigen Nadelstiche, die man setzen konnte wurden entweder vom OrlenerSchlussman pariert oder waren im Abschluss nicht zwingend genug. Gleichzeitig ließ man hinten wenig bis nichts anbrennen. In der 70. Spielminute musste Illner verletzungsbedingt durch Movagharnia ersetzt werden, nachdem sich der "emotional Leader" bei einer Drehbewegung an der Wadenmuskulatur verletzte. Kurz darauf dezimierte sich die SG durch ein Foul im Mittelfeld, was folgerichtig mit gelb und da Folgetäter mit gelb-rot geahndet wurde. Aus der Überzahl konnte jedoch vorerst kein Kapital geschlagen werden, trotzdem war die Eltviller Feldüberlegenheit nun spürbar. Für den Schlussakkord brachte Klärner mit Jurka und Thören zwei frische Spieler von der Bank. Für Thören konnte Kopplow in die Offensive gezogen werden. Eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte. Eltville warf nun alles nach vorne und wurde in der 89. Minute vom besagten Kopplow mit einem Tor belohnt, das nicht nur aufgrund seiner Wichtigkeit unter die Kategorie Amator des Jahres fallen dürfte. Der Mann ohne Nerven zimmerte nahe zu aus dem Stand das Spielgerät aus 20-25 Metern ins rechte obere Dreieck, von wo aus es unter den bangen Augen der Beteiligten vom Innenpfosten seinen Weg hinter die Linie fand. Der ersehnte Ausgleich in letzter Minute versetzte den ein oder anderen Beobachter in ekstaseähnliche Zustände, so dass Illner nach eigenen Angaben nicht mehr wusste wie er es trotz Verletzung über die Bande schaffte um den Treffer auf dem Feld mit den Kollegen zu feiern. In den folgenden Minuten der Nachpsielzeit passierte nichts mehr.

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Es ging also in die Verlängerung, die aufgrund der Platztiefe für Amateursportler sicher nicht die dankbarste Aufgabe ist. Doch für Krämpfe war keine Zeit und Eltville hatte den psychologischen Vorteil. Die letzten Kräfte wurden auf beiden Seiten mobilisiert und die Zweikämpfe schienen auch nach 120 Minuten nicht an Intensität einzubüßen. Auch die Konzentration wurde weiterhin hochgehalten, so dass keine 100 prozentigen Torchancen mehr für eine Seite heraussprangen. Der Krimi musste also im Elfmeterschießen ausgetragen werden.

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Gerade als die Eltviller dabei waren, die Elfmeterschützen zu bestimmen, ereigneten sich auf der gegenüberliegenden Orlener Seite kuriose Szenen. Ein Spieler der SG wurde nach Abpfiff der Partie mit gelb-rot bestraft. Zum Entsetzen des Orlener Anhangs hätte dieser also keinen Elfmeter schießen dürfen. In Folge kam es zu tumultartige Szenen, die an dieser Stelle nicht weiter kommentiert werden, da unterschiedliche Aussagen zu den Vorfällen getätigt wurden. Es stand u.a. der Vorwurf von rassistischen Äußerungen im Raum. Schiedsrichter Yahya Budarham (Frankfurt) beendete im Anschluss daran die Partie und verweigerte in Folge den Wiederanpfiff zum Elfmeterschießen. Überall auf der Beuerbacher Anlage bildeten sich nun Gruppen und es wurde heftig diskutiert welche Konsequenzen der Spielabbruch haben wird. Wiederholungsspiel? Sieg? Keiner hatte eine Antwort. Lediglich im Haupttenor "so was habe ich noch nicht erlebt" waren sich alle einig. Während der Stadionsprecher schon mal eine gute Heimfahrt wünschte und sich der ein oder andere Eltviller Spieler die ersten wohl verdienten Kaltgetränke gönnte, probierte man in den Katakomben das Schiedsrichterteam umzustimmen. Nach knapp einer Stunde dann die Erlösung, der 1. Assistent: Kerim Yilmaz und der 2. Assistent: MebaKarnapke entschieden sich die Leitung für das Elfmeterschießen zu übernehmen.

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Es hieß also die Konzentration nochmal hochzufahren. Warmlaufen um 23.30 Uhr unter Flutlicht. Orlen durfte vorlegen. Und... scheiterte direkt im ersten Versuch an David Jung, der die richtige Ecke wählte. Der erste Schütze für die Spvgg war Daniel Jurka, doch dieser setzte seinen Schuss zentral über die Latte. Alles wieder auf Null. Neuer Versuch Orlen – Anlauf, Schuss, an die Unterkante des Quergebälks und deutlich vor der Linie springt der Ball wieder raus, Jubel auf der Eltviller Seite. Diesmal hatte Junglas die Möglichkeit den Vorteil nach Hause zu holen. Linke Ecke – Flach – Nicht platziert genug – Pariert. Wieder alles auf Anfang. Vier Elfmeter und allesamt verschossen. Erneut die Möglichkeit für Orlen vorzulegen – völlig unbeeindruckt – mittig hoch – Unhaltbar - 2-3. Diesmal war es David Jung selbst, der zum Elfmeter antrat. Der sehr gut durchtrainierte Keeper der Spvgg, der bereits einen Elfmeter gehalten hatte, könnte zum Held des Abends avancieren. Faust ballen – Luft holen – Konzentrieren – Anlaufen ... Links unten – platziert – 3-3. Nun wieder Orlen – Jung bleibt stehen und irritiert damit den Schützen, viel zu unplatziert und eine leichte Beute für Jung. Der zweite Elfmeter den unser Keeper pariert. Es folgte der Mann ohne Nerven. Till "Thilo" Kopplow. Unbeeindruckt – links – flach – Innenpfosten – und ... ... Tor. 4-3. Das kann er! Wieder Orlen. Jeder Schuss konnte jetzt die Entscheidung bringen. Jung wählt die richtige Ecke doch das Leder geht unhaltbar ins Dreieck. 4-4. Zweiter Matchball. Es läuft an Christopher "Bomber" Bingel. Links – unten – flach – Drin! Sieg! Ekstase! Pokalsieg!

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Fazit: ein Spiel, von dem man in Eltville noch lange reden wird. Ein adäquater Abgang für Sven Klärner und die Krönung einer erfolgreichen Saison, die ihren nächsten Höhepunkt hoffentlich noch im Aufstieg der zweiten Mannschaft findet.

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